Macht uns Reisen toleranter?

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Reisen zeigt uns Andersartigkeit und fremde Kulturen, aber macht es auch toleranter? Foto: Hajo Rebers  / pixelio.de   Foto:Hajo Rebers  / pixelio.de
Reisen zeigt uns Andersartigkeit und fremde Kulturen, aber macht es auch toleranter?
Foto: Hajo Rebers / pixelio.de

Anders als man denkt

Wer reist, lernt auch vieles andere kennen und tolerieren. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Reisewebseite TripAdvisor. Die Liste dessen, was toleriert werden soll, ist groß und je nach Kulturkreis und Religion unterschiedlich. Lehrt uns das Reisen durch die Begegnung mit Menschen, diese Unterschiede auszuhalten? Die letzte ARD – Themenwoche zum Thema Toleranz widmete sich gleich einer ganzen Bandbreite von Themen wie Behinderung, Homosexualität, Religionen, sogar Alter und Obdachlosigkeit. Die Ereignisse der letzten zwei Monate rücken dieses Thema in ein ganz anderes Licht. Erstaunenswerterweise gibt es unendlich viele Möglichkeiten der Ausgrenzung und Ablehnung im gesamtgesellschaftlichen Konsens, wenn die Toleranz nicht mit ins Spiel kommt.

Was hat Toleranz mit Reisen zu tun?

Reisen bildet. Diese Weisheit ist allbekannt. Aber macht uns Reisen auch toleranter?  In internationalen Hotels und Clubanlagen erwarten viele Reisende  das Gleiche wie zu Hause und ein klein wenig folkloristische Singsang im Abendprogramm. Allen Vorurteilen zum Trotz sind die Menschen, wenn sie auf Reisen gehen, sehr neugierig und möchten viel über das Land und die Kulturen erfahren. Gelingt den Urlaubern der Austausch mit der fremden Kultur über Essen, Gespräche, Besichtigungen und Geschichte, dann erfolgt ein kleiner Ausschlag im Toleranzpegel. Das heisst, sie öffnen sich ungewöhnlichen Dingen gegenüber und sind nicht mehr so strikt abweisend wie vorher. Sie reagieren gelassener fremden Handlungsweisen, Überzeugungen und Sitten gegenüber. Umgangssprachlich „dulden“ sie das Fremde. Da sie es ja vom Urlaub kennen, als sie selbst Ausländer waren. Bestenfalls gehen sie sogar noch weiter und kennen es als gleichberechtigt an.

Selbst Goethe forderte in seiner Aphorismensammlung:„Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: Sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.“

Konkrete Veränderungen nach dem Urlaub

Laut TripBarometer-Studie von TripAdvisor über die Psychologie des Reisens leiden die meisten Reisenden aus dem deutschsprachigen Raum nicht unter einem Post-Holiday-Blues. Im Gegenteil sie haben neben neuen Rezepten auch viele Ideen mit im Gepäck, wie sie ihr Leben positiv verändern können.

Entsprechend dem vorherrschenden Gefühl der Bereicherung spielt der Aspekt „Reisen als Horizonterweiterung“‘ bei den deutschsprachigen Befragten eine entscheidende Rolle: Auf die Frage, ob sie sich nach all ihren Reisen zu bestimmten Verhaltensänderungen veranlasst sahen, gibt die Mehrheit an, offener und toleranter gegenüber anderen Menschen geworden zu sein. Das bestätigen 49 Prozent der Deutschen, 55 Prozent der Österreicher und 50 Prozent der Schweizer. Auch hier liegen sie deutlich über dem europäischen (44%) und weltweiten (45%) Durchschnitt.

Darüber hinaus legt die Studie offen, dass sich die deutschsprachigen Urlauber in puncto Kulinarik von fremden Kulturen inspiriert fühlen. Knapp die Hälfte der Deutschen (48%) und Schweizer (47%) und mehr als jeder zweite Österreicher (54%) haben zu Hause Lebensmittel und Rezepte eingeführt, die sie zum ersten Mal in den Ferien ausprobiert hatten. Damit sind sie entdeckungsfreudiger als die europäischen (40%) und weltweiten (38%) Befragten.

Blickt man zudem auf das Alter der Befragten, wird schnell klar: Die Generation Y, also Reisende im Alter von 18 bis 34 Jahren, lassen sich am stärksten auf Veränderungen des Lebensstils ein, die auf eigenen Reiseerfahrungen beruhen.

Gesteigertes Wohlbefinden von der Abreise bis nach Hause

Während sich die Reisenden weltweit bei der Abreise von ihrem Ferienziel primär „erfüllt“ (47%) und „entspannt“ (32%)  fühlen, überwiegt bei den deutschsprachigen Reisenden das Gefühl der „Bereicherung“. Das geben knapp die Hälfte der befragten Österreicher (47%) und Deutschen (43%) sowie fast ein Drittel der Schweizer (30%) an. Entspannung ist für 36 Prozent der deutschsprachigen Reisenden das vorherrschende Gefühl beim Start in den Urlaub. Und wie ist die Gefühlslage zuhause? Bei den Deutschen steigert sich der Eindruck, sich „bereichert“ zu fühlen auf 46 Prozent, bei den Österreichern auf 51 Prozent und bei den Schweizern auf 32 Prozent. Damit liegen sie weit über dem weltweiten Durchschnitt (10%). Auch das Entspannungsgefühl nehmen die deutschsprachigen Reisenden nach der Rückkehr aus dem Urlaub stärker wahr als vor der Abreise und zwar um durchschnittlich 3 Prozentpunkte (39%).

Immerhin fühlt sich die Hälfte der Reisenden durch die neuen Erlebnisse im Urlaub bereichert und inspiriert. Also unterliegen wir doch nicht dem pauschalen Vorurteil, der Urlauber mag nur Sonne, Strand und deutsches Essen. Dem Urlauber kann also ruhig etwas Fremdes, Exotisches und Andersartiges angeboten werden, vielleicht würde es sogar ein paar Abstriche in Sachen Komfort machen, wenn ihm einmalige Urlaubserlebnisse und Entdeckungen geboten werden. Um diese Nischen auszuloten, sind kleinere Veranstalter unterwegs. Einige setzen viel auf Umwelt- und Sozialverträglichkeit. Es bereichert übrigens ungemein, wenn man den Austausch mit der Bevölkerung des Ziellandes auf Augenhöhe erfährt und auch zur Entwicklung der Region beitragen kann allein durch sein Reiseverhalten. Nur Mut, der deutsche Urlauber ist im Allgemeinen toleranter, als man denkt.

 

 

 

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