Ein Licht am Horizont

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Stille Preisverleihung für die wirklichen Stars der Internationalen Tourismusmesse in Berlin

Es gibt ganz große glamouröse Preisverleihungen wie den Oscar, den Grammy oder die Berlinale. Die Stars erscheinen in smarten Anzügen und Designerkleidern unter einem Blitzlichtgewitter von Fotografen. Es wird „geposed“ und „small getalked“. Dann gibt es die anderen Stars, die Unscheinbaren, deren Leistung nur beim genauen Betrachten ins Auge fällt. Selbst die Preisverleihungen sind unscheinbar und keiner der Gäste bzw. Geehrten muss dazu in Galakleidung erscheinen.
Auf so eine unbeachtete aber nicht minder bedeutungsspektakuläre Veranstaltung hat es mich auf der letzten ITB in Berlin verschlagen. Nach unzähligen Hochglanzfoto-Hallen, stylisch überrepräsentierten Messeständen, kam ich in eine Halle, die mir ziemlich ungeliebt und konzeptlos erschien. Um ins Souterrain zu geraten, in die Halle unterhalb der quirligen Franzosen, Spanier und Portugiesen, da muss man sich schon vorher informiert haben, einen verabredeten Gesprächspartner oder sonst ein dringendes Bedürfnis haben, um sich nach dort zu verlaufen. Wer es genau wissen will, die Halle 4.1 erschein als ein Sammelsurium an kleineren Veranstaltern, Vereinen und sonstigen Gruppen, die in irgendeiner Form mit Eco-Tourismus, Responsible Tourisms und Nachhaltigem Tourismus zu tun hat. Der normale Messebesucher schaut kaum nach rechts und links, geht schnell durch, denn man will ja nicht noch bei seiner Urlaubsplanung mit Verantwortung und Tiefgründigkeit belastet werden, es sei denn, man ist schon von Hause aus vorbelastet. Der ein oder andere Fachbesucher hat das Thema irgendwie auf der Agenda, drückt sich regelmäßig darum, müsste ja eigentlich mal sich damit beschäftigen, ja zumindest so tun als ob. So streifen denn gelegentlich auch einmal so Touristikmanager durch die“ Öko-Gutmenschenhalle“, da sie ja CSR alle auf Ihre Firmenfahnen geschrieben haben. Entsprechend dem politischen Gesamtkonsens und Gestus gibt es haufenweise Absichtserklärungen, die Gott sei Dank keiner kontrolliert, geschweige denn, einfordert. Prophylaktisch kann man sich ja mal schon auf einer der vielen Plattformen für Projekte verschiedenster Art umschauen und eine kleine Spende an ein besonders spektakuläres Projekt möglichst in Afrika oder Indien mit Aidswaisen, die von vergewaltigten, misshandelten, säureverätzten Frauen großgezogen werden, in völliger Armut, Hunger, als Opfer von Tsunamis und Dürre auf Grund der Klimaveränderung und des CO2 Ausstoßes richten.
Sollte er sich nun zufällig am letzten Mittwoch zur angesagten ITB um 16:00 Uhr mit seinem Latte (der in dieser Halle aber nicht zu erwerben ist) auf einem der vielen freien Plätze vor der Bühne niedergelassen haben, hätte er die Tourismuswelt nicht mehr verstanden. Scheinbar freiwillig unterziehen sich Veranstalter aus Europa (mittlerweile schon 64) einer monatelangen Prüfung und Blicke hinter die Kulissen ihrer Firmen. Nicht nur Leitbilder müssen erstellt und firmenintern diskutiert werden, der Prozess ruckelt praktisch an allen Abteilungen, keine Tür bleibt verschlossen, kein Schreibtisch bleibt unberührt. Der Prozess ist das wahrlich Interessante und was mit der Firma und dem einzelnen Mitarbeiter passiert – eine kleine Sensation. In der Psychologie nennt man das wohl Reframing – alles im neuen Licht, im neuen Rahmen betrachtet. Ähnlich wie Eulenspiegel schaut man sich im Spiegel an – bin ich das? Das kann man besser machen, obwohl das Alte immer so schon bequem war, aber es muss verändert werden.
So werden dann auch die Tourismusfirmen belohnt, die sich diesem Prozess unterworfen haben, mit Händedruck und Blumenstrauß und natürlich mit TourCert- Zertifikat. Das TourCert- Zertifikat scheint zurzeit das Aussagekräftigste zu sein, weil auch soziale Belange eine Rolle spielen, dabei kann man ruhig kritischen Überwachungsgesellschaften wie TourismWatch in ihrer Expertise trauen. Der Label- Dschungel ist ja recht unübersichtlich, aber bei TourCert muss echt Arbeit und Geld investiert werden, dieses Label muss man sich verdienen. Deshalb all die stolzen Gesichter der frisch gekürten CSR- Manager von Hotels und Veranstaltern, die wohl überwiegend aus dem Klein- bis Mittelunternehmertum kommen und sich von Hause aus mit natur- und sozialverträglichem Tourismus gut auskennen. Vorwiegend Wander-, Natur-, Rad- und Kulturreisen. Der Knaller wäre eine so richtiger Pauschali oder All-in-CSR Manger aber der verläuft sich ja noch nicht ins Souterrain der ITB, es sei denn, es gäbe dort richtigen guten Latte frisch geröstet und gemahlen.

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