Bambi-Effekt und grüne Phantasie

Gepostet am Aktualisiert am

Warum sind die Menschen so offen für Nachhaltigkeitsversprechen und warum muss man vorsichtig mit dem Begriff Nachhaltigkeit sein?

Hier Ausschnitte und Zitate  aus der Badischen Zeitung zum Deutschen Tourismustag in Freiburg:

 

Trend zur Idealisierung der Natur - der Bambi-Effekt Herbert Walter Krick  / pixelio.de
Trend zur Idealisierung der Natur – der Bambi-Effekt
Foto: Herbert Walter Krick / pixelio.de

Auf dem Deutschen Tourismustag im Freiburger Konzerthaus debattierten Experten vor Verbandsmitgliedern und Unternehmern, wie Tourismus umweltfreundlicher und sozialverträglicher gestaltet werden kann.

Reinhard Meyer, der Präsident des Deutschen Tourismus Verbands (DTV), sagte: „Es gibt einen wachsenden Trend hin zum Leben und Genießen von Natur.“ Die Menschen wollten entsprechend, dass diese Natur erhalten bleibt, und seien offen für Nachhaltigkeitsversprechen. Auch Trendforscher Peter Wippermann bestätigte seine These. Er beobachte einen gewissen „Bambi-Effekt“: Menschen idealisierten die Natur. Sie betrachteten Wälder und Wiesen zunehmend als ein Sinnbild der Ursprünglichkeit, das sie mit den virtuellen Welten kontrastierten. Diese Bedürfnisse gelte es zu befriedigen und mit denen des Natur- und Umweltschutzes zu verbinden. „Das Thema Nachhaltigkeit ist hierbei ein ganz zentraler Aspekt“, sagt Reinhard Meyer.

Einer der Gastredner sieht das etwas anders. Nick Lin-Hi igkeitvon der Universität Mannheim sagt: „Nachhaltigkeit ist ein Sprachstaub, man kann ihn überall drüber streuen und alles glänzt in goldenem Licht.“ Er stehe zunehmend in der Kritik als „grüne“ Phantasie. Ist Nachhaltigkeit nur Profit im ökologischen Mantel?

Je höher der Anspruch, desto tiefer der Fall

Lin-Hi vergleicht den Begriff der Nachhaltigkeit mit dem der Corporate Social Responsibility (CSR) – und meint damit den Trend der Unternehmen, Sozialverantwortung zu übernehmen. Work-Life-Balance, Betriebskindergärten, Freistellung von Mitarbeitern für gemeinnützige Arbeiten – all dies komme gut bei den Mitarbeitern an und schaffe Vertrauen, das wiederum die Konsumenten schätzten. Letztendlich gehe es jedoch um die Frage, ob dies ein geeignetes Marketinginstrument für den Tourismus sei. Seine Antwort lautet: Nur bedingt. CSR oder Nachhaltigkeit förderten zwar das Ansehen einer Branche – wer würde nicht gerne in einem als nachhaltig zertifizierten Thermalbad schwimmen – , doch „Nachhaltigkeitsmarketing“ ersetze keine Geschäftsstrategie.

Es sei zwar begrüßenswert, so Lin-Hi, wenn ein Hotel als sozial- und ökologisch verantwortungsbewusst wahrgenommen werde, doch umso höher sei dann die Erwartungshaltung. Gerade bei positiv besetzten Branchen oder Personen sei es fatal, wenn Versprechen nicht eingehalten würden. „Ich nenne das den Hoeneß-Effekt, je höher der moralische Anspruch, desto tiefer der Fall“, sagt er. Der Betriebswirtschaftsprofessor rät deshalb, statt Worten Taten sprechen zu lassen. „Setzen Sie Nachhaltigkeit um, bevor sie anfangen sie zu kommunizieren.“

Habe ein Hotel ein Nachhaltigkeitszertifikat, ärgere sich der Gast trotzdem, wenn dort morgens um sieben Uhr Renovierungsarbeiten aufgenommen würden. Besser sei die ehrliche Auseinandersetzung mit Defiziten und Problemen. Die Veranstalter nahmen die Ermahnungen des Redners gelassen auf.

 

Den vollständigen Artikel zum Deutschen Tourismustag in der Badischen Zeitung finden Sie hier 

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