Wo Nachhaltigkeit draufsteht – die Stadt Stuttgart

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Medaillienhoffnung im Tourismus Foto: RainerSturm  / pixelio.de
Medaillenhoffnung im Tourismus
Foto: RainerSturm / pixelio.de

Man stelle sich vor, der Internationale Leichtathletikverband IAAF beschließt, die Medaillen zukünftig schon für die Bemühungen um den Weltrekord zu vergeben. Der Sportler sagt, er sei bereit, um den Weltrekord zu kämpfen. Seine individuellen Voraussetztungen werden umfassend geprüft und die reellen Chancen als „sehr gut“ eingeschätzt.  Der Sportler erhält dafür im Vorfeld die Goldmedaille quasi als Anreiz und darf schon mal den Titel tragen. Bemüht er sich die nächsten 3 Jahre bestens und schafft es trotzdem nicht, wird ihm leider dann der Titel für die Zukunft aberkannt, aber nicht rückwirkend. Ähnlich wie im Sport, könnte auch dieses Beispiel aus der Tourismuspolitik angedacht sein.

Start- oder Abschlussurkunde?

Neu ist, dass eine Stadt oder eine ganze Region sich als nachhaltig bezeichnen kann. Die Stadt Stuttgart trägt als erste größere Stadt das Nachhaltigkeitssiegel, verliehen von TourCert, einer anerkannten Zertifizierungsorganisation. Das Siegel für Städte und Regionen ist neu und wurde vom Ministerium für den ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württembergs mitentwickelt.
Laut TourCert Projektbeschreibung sind die Voraussetzungen für die Zertifizierung anspruchsvoll. Die Zertifizierung hat den Charakter einer Unternehmenszertifizierung.
Bisher wurden von TourCert einzelne Reiseveranstalter, Hotelbetriebe zertifiziert und mit dem CSR- Nachhaltigkeitssiegel versehen. Dafür mussten diese Betriebe mit hohem personellen und finanziellen Einsatz ganze Arbeit leisten, um ihre Unternehmen den Kriterien gemäß anzupassen. Dazu gehörte, mit der Belegschaft Leitbilder zu entwickeln, für Veränderungen in allen Bereichen ihres Unternehmens offen zu sein und Geschäftspartner zu hinterfragen. Erst am Ende dieses Prozesses wurde das Siegel verliehen. Es gab aber auch die Möglichkeit, vor allem für internationale Veranstalter, sich per Kommitment (per Zusage) quasi auf den Weg zu begeben und auf die Erfüllung der Kriterien zukünftig hinzuarbeiten. Dies ist sinnvoll, um immer mehr Akteure mit ins Boot zu holen, frei nach dem Motto:“Der Weg ist das Ziel“. Diese zwei unterschiedlichen Wege wurden aber auch so transparent für die Öffentlichkeit dargestellt..
Welche Art Weg jetzt für den Nachhaltigkeitscheck für eine Region oder Stadt gangbar ist, wird scheinbar noch geprüft. Zurzeit ist alles nicht ganz so nachvollziehbar, da sich alle Beteiligten ein wenig bedeckt halten und weder Beispielbetriebe, die dem Projekt in Stuttgart zugestimmt haben, befragt werden können, noch der Kriterienkatalog einsehbar ist. Wünschenswert wäre, es würden ordentlich Informationen und Fakten nachgeschoben und das Siegel etwas unterfüttert. Nicht zuletzt ist man es der Öffentlichkeit schuldig, die zum Teil hoch sensibilisiert auf diese Themen reagiert, keine Aufweichung wünscht und besonders bezüglich des grünen Ministerpräsidenten in Baden -Württemberg hohe Erwartungen hat. Zum anderen wäre es sonst den Veranstaltern und Hotels aus anderen Bereichen des Tourismus, die dieses Siegel bereits tragen oder sich gerade im Zertifizierungsprozess befinden, gegenüber ungerecht.

Was macht nun Stuttgart zu einem nachhaltigen Tourismusort?

Laut Violetta Hagen von der Stuttgarter Zeitung , haben sich 16 Hotels und Gastronomiebetriebe nun bereit erklärt, ihre Nachhaltigkeit überprüfen zu lassen. Die Begeisterung hält sich also in Grenzen, denn insgesamt gibt es in der Stadt allein 171 Betriebe, die Übernachtungsmöglichkeiten anbieten. Hinzu kommen die vielen Verkehrsbetriebe, Freizeiteinrichtungen und und Gaststätten.
Laut TourCert war geplant mindestens 25% der Leistungsträger mit ins Boot zu holen. Für die Region oder Stadt bedeutende Hotels, Restaurants, etc. sollten ab Beginn des Prozesses als Multiplikatoren dabei sein, um eine Sogwirkung zu erzielen. So hatte Florian Toegel von TourCert klar erkannt:“Die Teilnahme aller Leistungsträger einer Destination ist natürlich nicht einforderbar. Zunächst hatten wir einen Mindestanteil an beteiligten Leistungsträgern vorgesehen, dies hat sich aber schnell als nicht praktikabel herausgestellt und ist nun als Empfehlung formuliert.“
Sicher hat man sich eine breitere Resonanz und Akzeptanz unter den touristischen Betrieben gewünscht, da ja alle davon profitieren, besonders wenn sich das gewünschte Image als Green-City auch im Tagungs- und Geschäftsreisebereich durchsetzen soll. Jedenfalls darf sich Stuttgart für die nächsten 3 Jahre erst einmal mit dem Nachhaltigkeitssiegel schmücken. In drei Jahren wird dann festgestellt, ob der Maßnahmenkatalog abgearbeitet wurde und die Stadt das Nachhaltigkeitssiegel behalten kann.
Noch interessant für aufmerksame Tourismus – Marketingstrategen von Städten und Partnerbetriebe in der Region: Nachahmer sind erwünscht. Das Nachhaltigkeitspaket gibt es in der Entwicklungsphase noch kostenlos und wird vom Land Baden-Württemberg finanziert.

Weitere Informationen finden sie hier:

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.tourismus-in-baden-wuerttemberg-stuttgart-gilt-als-nachhaltiges-reiseziel.7f3c5190-f729-4279-b085-4a2155bac9b8.html

https://mlr.baden-wuerttemberg.de/de/unser-service/presse-und-oeffentlichkeitsarbeit/pressemitteilung/pid/auszeichnung-nachhaltiges-reiseziel-an-landeshauptstadt-stuttgart-verliehen/

http://www.tourcert.org/de/csr-zertifizierung/csr-fuer-destinationen.html

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